|
Vertraue Deinem Leithund:
Finnland 23.02.4
Seit 2 Tagen befinden wir und usere 15 Siberian Huskies nun an unserem Urlaubsdomizil. Bei den ersten Ausfahrten mit den Hunden hatten wir hauptsächlich den Unarijärvi erkundet, ein See von ca. 20 km Länge. Am gestrigen Abend waren wir bei einem anderen deutschen Musher, der 2 Hütten weiter seinen Urlaub verbrachte und schon ein großes Trailsystem angelegt hat. Werner gab mir mehrere Karten, auf denen er die ganzen Trails eingezeichnet hat.
Für heute nun planten Thomas und ich eine Strecke, die überwiegend durch Wald und am Seeufer entlang führt. Laut Werner sollte diese Strecke ca. 17 km lang sein.
Mit Tucker, Lyer, Nanouk, Navajo, Argos, Petter und Loyd starten wir um 10.00 Uhr bei 16 Grad unter Null. Es ist traumhaftes Wetter, die Sonne strahlt von einem klaren, kalten, blauen himmel, die Hunde sind gut drauf und wir alle freuen uns auf die Ausfahrt.
Wir fahren nur ein kurzes Stück über den See, zweigen dann ab un fahren auf eine Halbinsel. Es ist eine wunderschöne Strecke, ein kleiner Skidootail mit vielen Kuhlen, die Tucker so gerne läuft. An Thomas seinem Fahrstil kann ich erkennen, dass auch er sehr gut gelaunt ist, denn das Ganze geht ziemlich rasant. Der Schnee glitzert und knirscht unter den Kufen und die Sonne lugt immer wieder zwischen den dick mit Eis überzogenen Bäumen hervor. Ich sitze vorne auf dem Schlitten, lasse mich durchschütteln und genieße die unendliche Ruhe und die schöne Natur. Außer dem Hecheln unserer treuen Freunde hört man nichts, kein Motorenlärm, keine Menschen, keine anderen Tiere, einfach nichts.
Allerdings bin ich unterwegs für die richtige Strecke zuständig und prompt verpassen wir die erste Abzweigung. Kurzfristig ändere ich die Planung, zum Glück habe ich Werner´s Aufzeichnungen dabei. Eigentlich ist doch egal, in welcher Richtung man einen Rundkurs fährt. Der Trail geht lange durch den Wald, immer leicht abwärts und die Hunde laufen was das Zeug hält. Ich studiere nochmals genau die Karte. Wir kommen auf eine Straße, was in Finnland kein Problem ist, da alle Straßen schneebedeckt sind und sich der Verkehr in Grenzen hält (alle 3 Stunden 1 Auto). Nachdem wir ein ganzes Stück die Straße entlang gefahren sind, müssen wir laut meiner Karte nach einem kleinen Skidootrail Ausschau halten, doch wir finden keine Abzweigung. Werner sagte noch, wir sollten ja nicht zu dem Bauernhof fahren. Doch wir stehen schon davor. Also auf Kommando drehen, zum Glück haben wir Tucker, der das Kommando problemlos ausführt. Wir beschließen, die ganze Strecke wieder zurück zu fahren, was allerdings herb wird für unsere Freunde, wir sind schon mindestens 15 km gefahren. Um das Ganze zu verdeutlichen, wir haben 7 Hunde eingespannt, die einen 40 kg schweren Lastenschlitten ziehen, mit 2 erwachsenen Personen darauf. Thomas entlastet die Hunde, rennt und peddalt abwechselnd. Hätten wir die Abzweigung gefunden, wäre es nur noch ein kurzes Stück bis zum See und unserer Hütte gewesen.
Wieder studiere ich die Karte:” Thomas, in der Kurve vorne müssen wir wieder auf den kleinen Trail abbiegen.” Als die Kurve näher kommt, sehen wir dort ein aus, dass wir auf unserer Hinfahrt nicht bemerkt haben. Dort gibt es einen Trail, doch der scheint direkt zum Haus zu führen. Tucker biegt ab auf diesen Trail, doch Thomas schreit im das Kommando, auf die straße zurück zu kehren. Tucker scheint die Welt nicht mehr zu verstehen, doch er fügt sich Thomas senem Willen und fährt weiter. Immer wieder schaue ich wie ein Trapper nach Spuren auf der Straße, doch ich sehe weder Pfotenabdrücke noch Spuren vom Schlitten. Wir sind definitiv falsch. Das darf doch nicht wahr sein, die Hunde sind eh schon müde. Leichte Verzweiflung macht sich breit und die ersten Gedanken schleichen sich ein, was machen wir, wenn wir nicht mehr zurückfinden? Also, wieder auf Kommando wenden, und ich bin wieder absolut fasziniert von Tucker. Zum Glück haben wi heute die etwas älteren und erfahrenen Hunde dabei, die diesen Kreisverkehr ohne murren mit machen.
Tucker biegt wie selbstverständlich wieder an der gleichen Abzweigung zum Haus ein. In Thomas seinen Augen stehen große Fragezeichen. Was tun?
“Thomas, verlasse Dich einmal auf Deinen Leithund!”
“Meinst Du wirklich, der Weg geht zu dem Haus.
“Ja, aber Tucker wollte vorher auch schon rein, lass ihn einfach machen!”
“Na gut, dann probieren wir es eben.”
Die Zweifel von Thomas verschwanden hurtig, als, siehe da! hinter dem Haus unser Skidootrail weiter ging. Oh Tucker, ich danke dir, du bist so ein toller Hund!!!
Lange geht es bergauf und unsere Lieben schuften unermüdlich. Es geht nur langsam voran und Thomas unterstützt, wo er nur kann. Mal machen wir eine Pause zum verschnaufen, mal versucht er, zu rennen. Ich habe ein mächtig schlechtes Gewissen in meinem Schlitten, lasse ich mich doch von müden Hunden durch die Gegend ziehen. Deshalb schlage ich Thomas vor, den Rest, es dürften schätzungsweise noch 8 km sein, zu Fuß zurück zu laufen. Doch Thomas ist dagegen und peddalt wie verrückt. Die Schönheit der Landschaft bemerken wir jetzt nicht mehr, wir sind nur noch auf die Hunde konzentriert. Hier sieht alles gleich aus, Bäum und Schnee, sonst gibt es kaum Orientierungshilfen. Jetzt wird mir klar, wie schnell man hier wirklich ein ernsthaftes Problem bekommen kann. Als wir den Berg hinter uns haben kommt wieder eine Kreuzung, die wir nicht bemerkt haben. Relativ verzweifelt fragt Thomas, wo wir entlang fahren sollen. Doch mein Vertrauen in unseren Leithund kann nun nichts mehr erschüttern. Lächelnd drehe ich mich zu Thomas:” Vertraue Deinem Leithund!” Tucker biegt ab und nach ein paar Kurven sind wir von der Halbinsel und sehen unsere Hütte. Ich bin nur froh, dass Thomas ab und zu auf mich hört, und ich Tucker voll vertraue, denn Tucker hat uns sicher nach Hause gebracht.
|